1943. Zeichnung / Kreidezeichnung, aquarelliert, auf glattem hellgelbem Velin. – Originale Künstlergrafik, von Max Schwimmer. – Unikat. – 12,0 x 7,4 cm (Darstellung), 25,0 x 20,5 cm (Blatt).
Dazu in schwarzer Feder Gruß an den Cousin Franz Schwimmer, gen. Siska: ″Leipzig / 5. Juli 43 / Mein lieber Franz, / wir hörten so lange nichts voneinander. Ich hoffe, Du hast Deine Position gehalten. Ich bin immer noch beim Illustrieren. Das Sinngedicht ist im Druck. Ein farbiges Kinderbuch habe ich auch abgeliefert und momentan bin ich bei Stormschen Novellen. Im Auftrag habe ich auch zwei Grimmsche Märchen: 'König Drosselbart' und 'Die zertanzten Schuhe' farbig als Einzelbände. Ich mache das alles ohne jede Konzessionen und die Verleger sind begeistert. / Freitag Nacht kommt Eva mit den Kindern und bleibt bis zum Sonnabend Abend. Ich freue mich sehr darauf. Wie lange habe ich die Kinder nicht gesehen! Gabriele ist 20 Jahre geworden. Sie waren alle in Tirol. Die Begegnung wird sicher sehr interessant und aufschlußreich. Kommst Du gelegentlich zum Malen oder Zeichnen? Sicher bringst Du zu Deinem Urlaub wieder schöne Dinge mit. Momentan ist hier eine Ausstellung, die sich 'Das Bild' betitelt - ich sage Dir, die reine Scheiße. Alle Phantasie und aller Charakter und jede Handschrift scheinen aus der Malerei verbannnt zu sein. Eine tolle Welt!!! Das läuft sich alles tot, ein Bild sieht wie das andre aus, das heißt, gleichgültig und schlecht. Wir müssen also bei der Stange bleiben, wenn mal die Schranken fallen, werden wir [wie] junger Tag wirken und der ganze Schund wird wie Küchenschaben das Licht zu scheuen haben. Ich hoffe Du bist wohl auf, bleibe gesund und sei herzlichst gegrüßt / von Deinen Ilske u. Max″. – Provenienz: Nachlass Franz Schwimmer, Privatbesitz Prof. Dr. Fritz Hönsch, Leipzig. – Zwei originale vertikale und horizontale Knickfalten. Sonst tadellos erhalten. Guter Zustand.
Max Schwimmer (1895 Leipzig - 1960 Leipzig). Deutscher Maler, Grafiker und Illustrator des expressiven Realismus. Ab 1919 Studium der Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Leipzig. Beginn der künstlerischen Tätigkeit u.a. für die Zeitschriften "Die Aktion" und "Der Drache". Studienreise nach Frankreich und Italien. 1926 Dozent an der Kunstgewerbeschule in Leipzig. 1933 aus dem Lehramt entlassen, neun Werke wurden als "entartete Kunst" diffamiert und konfisziert. Bis 1945 arbeitete er als Illustrator. 1944 als Soldat der Wehrmacht eingezogen und Ausbildung zu Wachmann eines Kriegsgefangenen-Lagers in Mühlberg an der Elbe. Im April 1945 Flucht der Wachmannschaft nach Altenburg in die amerikanische Besatzungszone. Nach Kriegsende Eintritt in die KPD. 1946 Berufung als Professor und Leiter der Abteilung Graphik an die Staatliche Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. 1951 infolge einer Kampagne von seinem Dienst entbunden. Im selben Jahr Berufung an die Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK) als Leiter der Abteilung Grafik. Seit 1952 Mitglied der Akademie der Künste zu Berlin.